Lexikon
Was ist Vibe Coding?
Vibe Coding ist eine Arbeitsweise, bei der man einer KI in normaler Sprache beschreibt, was entstehen soll, und den Code weitgehend ungeprüft übernimmt.
Zuletzt aktualisiert: 18. August 2026 · Baldux GmbH
Geprägt hat den Begriff Andrej Karpathy am 2. Februar 2025 in einem Beitrag auf X. Er beschrieb darin eine Arbeitsweise, bei der man sich „ganz den Vibes hingibt … und vergisst, dass der Code überhaupt existiert“ — man beurteilt das Ergebnis daran, ob es läuft und sich richtig anfühlt, nicht daran, ob jemand es kontrolliert hat. Das Collins Dictionary kürte „vibe coding“ am 6. November 2025 zum Wort des Jahres 2025 und definierte es als das Schreiben von Computercode mithilfe von künstlicher Intelligenz, angestoßen durch natürliche Sprache.
Für einen Prototyp ist das eine echte Errungenschaft. Eine Idee, die früher eine Woche Vorarbeit brauchte, ist in einer Stunde sichtbar; wer eine Annahme prüfen will, muss dafür kein Budget mehr beantragen. Vibe Coding ist die richtige Wahl für Wegwerf-Werkzeuge, interne Experimente, Machbarkeitsnachweise und alles, was niemand außer dem Autor benutzt.
Riskant wird es, sobald echte Betriebsdaten, Zugriffsrechte oder Schnittstellen im Spiel sind. Der Sicherheitsanbieter Escape.tech — die Studie stammt also von einem Marktteilnehmer, nicht von einer neutralen Stelle — analysierte 2025 über 5.600 öffentlich erreichbare Anwendungen, die auf diese Weise entstanden waren, und fand darin mehr als 2.000 Schwachstellen, über 400 offengelegte Zugangsgeheimnisse und 175 Fälle offen zugänglicher personenbezogener Daten. Wie systematisch solche Lücken sein können, zeigt CVE-2025-48757 vom 29. Mai 2025 (Schweregrad 9,3 von 10): Bei Sites, die mit einem verbreiteten KI-App-Builder erzeugt wurden, war die zeilenweise Zugriffsbeschränkung der Datenbank unzureichend gesetzt, sodass Unbefugte ohne Anmeldung Tabellen auslesen konnten.
Das Muster dahinter ist immer dasselbe: Ungeprüfter KI-Code kann plausibel aussehen und trotzdem falsch handeln — Berechtigungen zu weit öffnen, Sonderfälle stillschweigend verschlucken, Fremdbausteine mitbringen, die niemand pflegt. Weil der Normalfall funktioniert, fällt es im Test nicht auf, sondern erst im Betrieb. Die Faustregel: Vibe Coding eignet sich, solange ein Fehler nur Ihre eigene Zeit kostet. Sobald ein Fehler Kundendaten, Geld oder einen Ablauf trifft, auf den sich der Betrieb verlässt, braucht es eine Prüfung, die vom bauenden Modell unabhängig ist, und einen Nachweis, wie das Ergebnis entstand.
Verifizierte KI-Entwicklung dreht genau diesen einen Punkt um, ohne das Tempo aufzugeben: Nicht die bauende KI erklärt sich für fertig, sondern ein getrennter Prüfablauf weist es nach. Die Begriffe bezeichnen also keine Gegensätze in der Technik, sondern zwei Stufen der Verbindlichkeit.
Häufige Fragen zu Vibe Coding
Was ist Vibe Coding?
Eine Arbeitsweise: Man beschreibt einer KI in normaler Sprache, was entstehen soll, und übernimmt den erzeugten Code weitgehend ungeprüft. Beurteilt wird, ob es läuft und sich richtig anfühlt — nicht, ob jemand es kontrolliert hat.
Woher kommt der Begriff Vibe Coding?
Von Andrej Karpathy, der ihn am 2. Februar 2025 in einem Beitrag auf X prägte. Das Collins Dictionary kürte „vibe coding“ am 6. November 2025 zum Wort des Jahres und definierte es als das Schreiben von Computercode mithilfe künstlicher Intelligenz, angestoßen durch natürliche Sprache.
Was ist ein Vibe Coder?
Jemand, der auf diese Weise arbeitet — oft ohne Entwicklerhintergrund. Der Begriff sagt nichts über Können, sondern über das Verfahren: Ergebnis beurteilen statt Code lesen. Für Prototypen trägt das, für Software mit echten Betriebsdaten fehlt der Prüfschritt.
Welche Werkzeuge gehören dazu?
Drei Gattungen: KI-Baukästen, die aus einem Satz eine fertige Anwendung erzeugen; Editoren mit eingebautem Chat; und Agenten, die im Terminal mehrere Schritte selbständig ausführen. Produktnamen nennen wir hier bewusst nicht — der Markt wechselt schneller, als eine Liste altert.
Ist Vibe Coding dasselbe wie KI-Entwicklung?
Nein. Vibe Coding beschreibt, wer den Code freigibt: die bauende KI selbst. Verifizierte KI-Entwicklung nutzt dieselben Modelle, lässt aber vier unabhängige Prüfrollen jeden Schritt kontrollieren, bevor er gilt. Der Unterschied liegt nicht im Tempo, sondern in der Verbindlichkeit.
Wo der Begriff vorkommt
- Vibe Coding vs. verifizierte KI-Entwicklung: Was Unternehmen brauchen
- Kann man KI-generiertem Code vertrauen?
- Vibe Coding im Unternehmen: sieben Risiken und wie man sie prüfbar macht
Quellen
- Andrej Karpathy auf X, 2. Februar 2025
- Collins Dictionary, Wort des Jahres 2025, November 2025
- Escape.tech (Sicherheitsanbieter), Analyse von Vibe-Coding-Apps, 2025
- NIST National Vulnerability Database, CVE-2025-48757, 2025